Alles, was Sie zu Reptilien als Haustier wissen müssen
Ob Gecko, Echse, Schlange oder Schildkröte – Reptilien werden als Haustiere immer beliebter. Will man sich der Terraristik widmen, gibt es jedoch einiges zu beachten.
- Reptilien sind pflegeleicht, stellen aber gleichzeitig hohe Ansprüche.
- Es sind Tiere für Beobachter. Sie sind nicht zum Kuscheln geeignet.
- Beleuchtung, Klima, Temperatur etc. müssen möglichst naturnah sein.
- Die richtige Haltung und Pflege erfordert viel Wissen.
Wann sich Reptilien als Haustier (nicht) eignen
Reptilien sind in dem Sinn pflegeleicht, dass sie keine Dauerbeschäftigung brauchen. Alle, die oft unterwegs sind, müssen sich also keine Gedanken machen, dass das Tier gelangweilt ist. Denn Reptilien können sich sehr gut selbst beschäftigen.
Auch Spaziergänge oder eine Form von Erziehung bzw. Sozialisierung (wie bei Hunden oder Katzen) sind nicht notwendig. Aufgrund des nicht vorhandenen Fells haben es Allergiker mit Reptilien als Haustier oft leichter.
Jedoch gibt es auch zwei Punkte, die von vielen als Nachteil gesehen werden: Einerseits kann man mit diesen Tieren, außer sie zu beobachten, wenig machen. Andererseits stehen auch Kuscheleinheiten bei diesen Tieren oft nicht an der Spitze der Prioritätenliste. Ganz im Gegenteil:
Das Terrarium verlassen zu müssen, bedeutet für Reptilien oft Stress. Wollen Sie oder Ihre Kinder ein Tier zum Kuscheln, sind Echsen, Schlangen, Schildkröten & Co. ungeeignet. Suchen Sie hingegen ein faszinierendes Tier, das Sie hauptsächlich beobachten können, sind Reptilien eine gute Wahl.
Wer von Reptilien angetan ist oder ein exotisches Haustier halten möchte und die Bedürfnisse und den Charakter dieser spannenden Tiere respektieren kann, wird mit einem solchen Tier viel Freude haben. Auch das Gehege, das Terrarium, eingerichtet mit Ästen, Steinen und Pflanzen (passend zum Tier) kann ein Stück Natur in Ihr Zuhause bringen und sogar ein dekorativer Blickfang werden.
Diese Reptilien können als Haustiere gehalten werden
Schlangen, Geckos, Echsen, Schildkröten – die Auswahl unter den Reptilien ist groß. Hier sind einige Beispiele für mögliche Haustiere aus der Terraristik:
Schildkröten
- können 100 Jahre alt werden
- Pflanzenfresser
- tagaktiv
- halten Winterruhe
- Landschildkröten brauchen Freilandhaltung für eine artgerechte Haltung
Geckos/Eidechsen
- werden ca. 10-20 Jahre alt
- je nach Art Wüsten-/Tropenterrarium (bestimmte Temperatur & Luftfeuchtigkeit)
- brauchen viel Beleuchtung
- je nach Art tag- oder nachtaktiv, wobei tagaktive viel bunter sind
Chamäleon
- werden ca. 5-10 Jahre alt
- Farbwechsler
- tagaktiv
- Temperatur & Luftfeuchtigkeit von der Art abhängig
- brauchen viel Beleuchtung
Schlangen
- brauchen meist größere Terrarien
- Fressen Mäuse und Ratten
- bestimmte Temperatur & Luftfeuchtigkeit im Terrarium notwendig
- häuten sich
- tag-/nachtaktiv je nach Art
Leguane
- ca. 20 Jahre, manche Arten können aber auch sehr viel älter werden
- tagaktiv
- je nach Art Wüsten-/Tropenterrarium (bestimmte Temperatur & Luftfeuchtigkeit)
Agamen
- je nach Art 10 bis 15 Jahre
- tagaktiv
- Männchen sollten in Einzelhaltung, Weibchen können in Gruppen (max. 3 Tiere) gehalten werden
- je nach Art Wüsten-/Waldterrarium
Weitere Haustiere für das Terrarium
Neben Reptilien können auch viele andere Tiere in Terrarien gehalten werden. Frösche, Salamander sowie weitere Amphibien, aber auch verschiedene Arten von Spinnen, Schnecken und Insekten sind beliebte Einwohner für ein Terrarium. Hier die beliebtesten Tiere:
Frösche/Kröten
- je nach Art 2–25 Jahre
- je nach Art tag- oder nachtaktiv
- benötigen je nach Art Tropen- oder Waldterrarium mit Schwimmmöglichkeit
- Sehr empfindliche Haut und sollten möglichst nicht berührt werden
Salamander
- 20 bis 50 Jahre
- dämmerungs- bzw. nachtaktiv
- benötigen einen kühlen und feuchten Lebensraum
- viele Arten benötigen einen Platz zum Überwintern
- einige Arten sind giftig
Vogelspinnen
- Weibchen bis zu 20 – 30 Jahre, Männchen nur ca. 4 Jahre
- manchmal Auflagen bei der Haltung
- Vogelspinnen sind giftig, aber meist für den Menschen nicht tödlich (außer bei Allergien)
- nachtaktiv
Diese Tiere – insbesondere Amphibien wie Frösche – stellen andere Ansprüche an ihren Lebenslauf als viele Reptilien. Manche Frosch- und Salamanderarten sind auch gar nicht für die Haustierhaltung bzw. ein Leben mit dem Menschen geeignet. Bitte erkundigen Sie sich im Voraus und lassen Sie bei Bedarf von Experten beraten, um diesen Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.
Wann ist artgerecht wirklich artgerecht?
Egal, um welches Haustier es geht: Man sollte ihm ein artgerechtes Leben ermöglichen. So wie Vögel viel Ausflug, Hunde viel Kontakt zu ihren Menschen und Katzen Möglichkeiten zum Klettern brauchen, stellen auch Reptilien einige Anforderungen an Pflege, Hygiene, Futter und Haltung.
So sind diese Tiere zum Beispiel nicht zum Kuscheln geeignet. Auch für Kinder sind sie oft nicht die besten Haustiere – außer, das Kind ist darüber aufgeklärt, dass Schildkröte oder Gecko nicht wie ein Hund oder eine Katze sind. Außerdem sollte auch die Pflege bzw. Sicherstellung der Haltung unbedingt von einem fachkundigen Erwachsenen durchgeführt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Terrarium:
1. Standort des Terrariums
“Irgendwo findet sich schon ein Plätzchen” ist bei Terrarien keine empfehlenswerte Herangehensweise. Terrarien sind meist recht groß, es braucht also wirklich genügend Platz. Außerdem eignet sich nicht jede Stelle für ein Terrarium:
In der Nähe von Fenstern oder Heizungen sollten Terrarien nicht aufgestellt werden und auch der Keller ist keine gute Stelle, da diese Orte schnell zu warm oder kalt werden. Genauso sollte Zugluft vermieden werden.
Manche Reptilien brauchen sogar einen eigenen Raum als “Terrarium” (z. B. Grüner Leguan) oder müssen im Freien gehalten werden (Europäische Landschildkröte).
2. Größe & Form
Die Größe des Terrariums hängt natürlich vom jeweiligen Reptil ab. Echsen brauchen z. B. weniger Platz als Schlangen, der Grüne Leguan sollte einen eigenen Raum haben etc. Vogelspinnen wiederum brauchen einen würfelförmigen Käfig.
Hier ist es wichtig, sich genau zu informieren, welche Bedürfnisse das jeweilige Tier hat und zu prüfen, ob man dem gerecht werden kann. Unter Umständen gibt es sogar Vorgaben, wie groß Terrarien genau sein müssen.
3. Einrichtung
Und auch die Einrichtung muss passen: Neben Verstecken und Wasserstellen sind auch Klettermöglichkeiten und ein passendes Bodenmaterial wichtig. Dieses sollte z. B. die Möglichkeit geben, sich darin einzubuddeln.
Ganz wichtig ist es auch, das passende Klima herzustellen: Wärmequellen, die richtige Beleuchtung und Zubehör zum Herstellen einer hohen Luftfeuchtigkeit sind angesagt.
Wichtiges Zubehör ist z. B.:
- (Infrarot-)Wärmelampen für den Sonnenplatz
- Terrariumerde, Borkenstreu o. Ä. als passender Untergrund
- Vernebler oder Beregnungsanlagen für ausreichend Luftfeuchtigkeit
- UV-Lampen, um die Lichtverhältnisse des eigentlichen Lebensraums zu simulieren
- Zeitschaltuhr für den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus
- Sichere Transportbox für den Tierarzttermin
4. Stress vermeiden
Viele Reptilien reagieren sehr sensibel auf Stress. Das bedeutet für Halter, dass sie die Tiere möglichst nicht aus dem Terrarium herausnehmen sollten. Kuscheln oder Spielen wird hier also schwer.
Die Stress-Sensibilität wirkt sich auch auf den Standort des Terrariums aus. Ein Raum mit tobenden Kindern oder das Kinderzimmer selbst sind eher ungeeignet.
Bei manchen Reptilien gelten besondere Pflichten
Bei manchen Tieren aus der Terraristik gibt es besondere Pflichten und/oder Regelungen:
- Meldepflicht: Manche Schlangen sind in einigen Bundesländern meldepflichtig (z. B. Würgeschlangen)
- Dokumente: Für die Haltung bestimmter Tiere (z. B. Giftschlangen) braucht man einen Sachkundenachweis, manchmal sind weitere Papiere notwendig
- Verbote: ggf. gibt es sogar Haltungsverbote bei bestimmten Tieren der Terraristik
- Artenschutz: Es gibt Reptilien, die unter Artenschutz stehen. Sie werden illegal eingeschmuggelt – somit ist auch der Kauf illegal.
Wichtig ist daher immer, dass Sie sich über solche Punkte informieren. Außerdem sollten Sie sich im Vorfeld immer genau mit der Pflege und Haltung beschäftigen, damit Sie dem Tier wirklich gerecht werden und ihm ein artgerechtes Leben bieten können.
Auf ausreichend Hygiene achten
Ein wichtiger Punkt bei der Haltung von Reptilien als Haustier ist neben der Pflege auch die Hygiene. Einige Aufgaben sollten täglich, andere wöchentlich oder 1-2 Mal pro Jahr erledigt werden:
Täglich | Wöchentlich | 1-2 Mal pro Jahr |
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Reptilien als Haustier: Kosten, die Sie bedenken sollten
Halten Sie Reptilien als Haustiere, kann das durchaus auch teurer werden, da auch die laufenden Kosten höher sein können:
- einmalig: Tiere an sich, Terrarium selbst, Verstecke, Klettermöglichkeiten, Pflanzen, Schalen für Futter und Wasser, Zubehör.
- laufend: Bodengrund, Geräte für Beleuchtung, Befeuchtung, Beheizung (müssen ab und zu ersetzt werden), Stromkosten aufgrund der Geräte, Futter, ggf. Wasserkosten (falls viel Wasser im Terrarium benötigt wird)
- gelegentlich: Auch Reptilien können krank werden – in diesem Fall ist eine tierärztliche Kontrolle und ggf. Behandlung notwendig
Auch diesen Punkt sollten Sie bedenken, wenn Sie in die Terraristik einsteigen wollen.
Sie haben Fragen oder Ihr Tier ist krank? Unsere Tierärzte sind für Sie da!