Unterschiede zwischen Hasen & Kaninchen
Hasen & Kaninchen: Unterschiede, Gemeinsamkeiten & Wissenswertes
Hasen und Kaninchen – das ist doch das Gleiche. Könnte man auf den ersten Blick meinen. Doch obwohl beide Tierarten zur Ordnung der Hasenartigen gehören, gibt es einige Unterschiede. In diesem Artikel erfahren Sie, wie sich diese Tiere unterscheiden und was sie gemeinsam haben.
Unterschiede im Überblick
| Hasen (Feldhasen) | Kaninchen (Wildkaninchen) | |
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| Wissenschaftliche Bezeichnung | Lepus europaeus | Oryctolagus cuniculus |
| Aussehen | Groß & schlank, größere Ohren, kräftigere Hinterbeine. Durch ihre großen Ohren können sie Feinde besser hören. Die kräftigeren Hinterbeine helfen auch bei der Flucht. | Klein, rundlich & gedrungen, kleinere Ohren, kleinere Hinterbeine als bei Hasen. |
| Lebenserwartung | Bis 12 Jahre | Bis 10 Jahre |
| Gewicht | 4 bis 6 kg | ca. 2 kg |
| Lebensraum | Im freien Feld | Bau unter der Erde |
| Verstecke | Unter Büschen & in Bodensenken | Ihr Bau |
| Sozialverhalten | Einzelgänger | Gesellige Gruppentiere (Kolonien mit bis zu 12 Tieren) |
| Nachwuchs | Hat bereits Fell und kann sehen. Diese Eigenschaften sind notwendig, da sie im freien Feld (in einer Kuhle, aber keinem Bau) geboren werden und aufwachsen. Sie müssen daher von Anfang an ihre Umwelt wahrnehmen können. | Bei der Geburt nackt, blind & taub. Sie wachsen geschützt im Bau auf und haben durch ihre Blind- und Taubheit daher keine Nachteile. |
| Fressfeinde | Große Vögel (Eule, Greifvögel, Krähen), Marder, Dachs, Fuchs. | Marder, Dachs, Rotfuchs, Luchs, Wiesel, größere Vögel (Greifvögel & Eulen). |
| Warnsignal | Hasen klopfen manchmal bei Gefahr mit den Hinterbeinen auf den Boden, um Artgenossen zu warnen. | Schrilles Pfeifen, Klopfen mit Beinen auf Boden. |
| Schnelligkeit | Bis zu 80 km/h (für kurze Strecken) | Bis zu 40 km/h |
| Sonstige Fähigkeiten | Bis zu 2 m hoch springen, im Zickzack laufen (Haken schlagen), 360°-Rundumblick aufgrund der seitlich am Kopf positionierten Augen. | Gutes Gehör und sehr gute Sehfähigkeit – besonders während der Dämmerung und in der Ferne. |
| Untergruppen | / | Hauskaninchen |
| Gefährdung | Der Feldhase gilt in Österreich als potenziell gefährdet – ihr Bestand ist seit den 60er Jahren stark rückläufig. Gründe dafür sind die stärkere Landwirtschaft, die zu weniger Lebensraum führt. Außerdem drohen Gefahren durch große landwirtschaftliche Geräte und chemische Dünger. | Wildkaninchen gelten nicht als gefährdet. |
| Anmerkungen | Der Hase ist perfekt darauf ausgelegt, im freien Feld zu überleben: durch die großen Ohren, die kräftigen Beine und die Fähigkeiten der Jungtiere kurz nach der Geburt. Auch seine Schnelligkeit und seine ausgeprägten Hör- und Sehfähigkeiten helfen ihm beim Überleben. Trotz dessen, dass der Feldhase ein Einzelgänger ist, warnt er dennoch seine Artgenossen, sobald er eine Gefahr wittert. Gleichzeitig können Feldhasen sich durch “Boxen” Rangkämpfe liefern, um Eine große Herausforderung für den Feldhasen ist die Nahrungssuche: Von April bis Juli findet er meist genug zu fressen, im Sommer hingegen wird es schwieriger. Das liegt daran, dass dann das Getreide von den Feldern abgeerntet ist. So müssen sie ihre Deckung verlassen, um Nahrung zu finden. Um sich vor Fressfeinden zu schützen, beginnen sie mit der Nahrungssuche in der Dämmerung. | Wilde Kaninchen leben etwas geschützter im Bau auf, der ihnen Schutz vor vielen Feinden bietet. Ein weiterer Vorteil für diese Tiere ist, dass sie rund um ihren Unterschlupf sowohl im Frühling als auch im Sommer genug Nahrung finden. |
Gemeinsamkeiten von Hase & Kaninchen
Bei allen Unterschieden haben Hasen und Kaninchen aber auch ein paar Gemeinsamkeiten: Das Offensichtlichste ist das grundsätzlich ähnliche Erscheinungsbild der Tiere: Hasen und Kaninchen haben ein längliches Gesicht mit einer kleinen Nase, einer breiten Stirn und seitlich positionierten Augen. Außerdem haben beide die typischen “Löffelohren”, die charakteristischen Vorderzähne (Schneidezähne) und bewegen sich durch Hoppeln.
Doch auch Fressgewohnheiten dieser Tiere gleichen einander. Beide Tiergattungen sind Pflanzenfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen Blätter, Gräser, Blüten, Kräuter & Co. Dank ihrer Zähne müssen sie aber auch nicht vor Rinden und Wurzeln zurückschrecken.
Solche Nahrung kann nur schwer verdaut werden. Daher haben Wildkaninchen und Feldhasen eine Essgewohnheit, die es ihnen ermöglicht, mehr Spurenelemente aus ihrer Nahrung aufzunehmen. Diese besteht darin, Teile ihres Häufchens kurzerhand noch einmal zu fressen.
Eine weitere, jedoch traurige, Gemeinsamkeit: Sowohl Hasen als auch Kaninchen erreichen in freier Natur aufgrund ihrer Fressfeinde meist nicht ihr maximal mögliches Alter.
Was ist, wenn Hasen & Kaninchen bei Menschen leben?
Unterschiede Hauskaninchen & Wildkaninchen
Feldhasen sind freiheitsliebend – sie sind und bleiben Wildtiere. Als Haustiere eignen sie sich nicht und sind auch nicht als solche erlaubt. Auch Züchtungen sind verboten.
Das bedeutet: Auch wenn viele Menschen sagen, sie halten Hasen als Haustiere, handelt es sich in der Regel um Kaninchen.
Wildkaninchen können ebenfalls nicht als Haustiere gehalten werden. Als Haustiere werden ihre Verwandten – die Hauskaninchen – gehalten. Insofern alle ihre Ansprüche erfüllt werden, fühlen sich diese Tiere bei Menschen sehr wohl.
Bei der Pflege und Haltung von (Haus)kaninchen ist einiges zu beachten. Kaninchen sind zwar sehr beliebte Haustiere, aber nicht unbedingt anfängergeeignet. So darf die Kaninchenhaltung nur mit einem Artgenossen erfolgen, sie brauchen viel Platz (auch nachts!) und es sollte unbedingt Freilauf gewährleistet sein.
Zur Pflege gehört auch, dass das Gehege 1x wöchentlich – und manche Teile des Geheges sogar täglich – gereinigt werden müssen.
Ob Kaninchen bei Menschen oder in der freien Natur leben, macht in gewissen Punkten einen großen Unterschied.
| Hauskaninchen | Wildkaninchen | |
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| Farbe | Grau & braun, aber auch schwarz, weiß oder rot | Grau oder braun |
| Eignung als Haustier | Ja | Nein |
| Gewicht | Manche Rassen sind deutlich schwerer als 2 kg | ca. 2 kg |
| Gehör | Meist schlechter als bei wilden Kaninchen | Sehr gut |
| Züchtung | Viele Rassen durch Züchtung entstanden, z. B. der Blaue Wiener, der Deutsche Riese oder das Löwenkopfkaninchen. | / |
Fun Facts
- Falsches Synonym: Hase und Kaninchen werden in der Alltagssprache als Synonyme gebraucht. Doch Kaninchenzüchter benennen weibliche Kaninchen ebenfalls oft als “Häsinnen”. Es geht sogar noch verwirrender: Eine Kaninchenrasse hat den Namen “Hasenkaninchen”.
- Blume: Ein weiterer Fun Fact ist, dass der Schwanz des Hasen und des Kaninchens auch Blume genannt wird.
- Stimmung: Durch die Stellung der Blume (entspannt, wackeln, aufgestellt, angehoben) drückt das Kaninchen seine Stimmung aus. Sie wird aber auch zum Ausgleichen bei Sprüngen genutzt.
- Plage: In Australien gibt es Kaninchen nur, weil sie 1859 von einem Einwanderer mitgenommen wurden. Dort haben diese Tiere sich so schnell vermehrt, dass sie heute zu einer Plage geworden sind und große Schäden an landwirtschaftlichen Flächen verrichten.
- Und zu guter Letzt: Es ist nicht möglich, Hasen und Kaninchen miteinander zu kreuzen. Das liegt daran, dass diese Tiere unterschiedliche Chromosomen-Zahlen haben. Bei der Kaninchen-Züchtung können jedoch verschiedene Rassen von Kaninchen gekreuzt, aber auch Haus- und Wildkaninchen können gepaart werden.
Wissenschaftliches Wissen
Das Wildkaninchen trägt den wissenschaftlichen Namen Oryctolagus cuniculus, der Feldhase den Namen Lepus europaeus und das Hasenkaninchen den Namen Oryctolagus cuniculus.
Feldhasen und Wildkaninchen stammen aus derselben Ordnung (Hasenartige/Hasentiere; Lagomorpha) und aus derselben Familie, sie gehören jedoch zu unterschiedlichen Gattungen.
Übrigens: Früher wurden sowohl der Hase als auch das Kaninchen der Ordnung der Nagetiere zugeordnet, heute zählen sie zu den Hasenartigen.


