Darmverschluss bei Katzen: Wie Sie lebensgefährliche Symptome erkennen

orange katze liegt beim tierarzt

Katze & Darmverschluss: ein umfassender Guide

Wir alle wollen, dass es unserer Samtpfote gut geht. Doch manchmal gibt es Komplikationen – wie einen Darmverschluss (“Ileus”). Leider ist dieser nicht immer leicht zu erkennen. In diesem Ratgeber stellen wir Symptome, Ursachen, vorbeugende Maßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten vor.

Wichtiges auf einen Blick

Um einen Darmverschluss zu erkennen, muss man zunächst wissen, welches (Kot-)Verhalten der Katze normal ist und welches nicht:

Normal

Nicht normal

Begleitende Symptome

– 1-2 x Kot absetzen innerhalb von 24 h

– spätestens Kotabsetzung 1-2 x/48 h 

– Kotabsetzung später als 1x/24 oder spätestens 1x/48 h

– heftiges Erbrechen, mehrfach, in kurzen Abständen

– Angestrengte Versuche, Kot abzusetzen (ohne Erfolg)

– Bauchschmerzen

– etc. (siehe Symptome)

Im Zweifel gilt: lieber direkt zum Tierarzt!

So gefährlich ist ein Darmverschluss für Katzen

Wie problematisch ist ein Darmverschluss für Katzen? Leider ist die Antwort: sehr problematisch. Denn unbehandelt führt er erst zu schweren Schocksymptomen (Kreislaufprobleme, Zittern, schnelle & flache Atmung, Apathie etc.) und in weiterer Folge zum Tod.

Welche Katzen können einen Darmverschluss bekommen?

Im Gegensatz zu manchen anderen Krankheiten ist diese Erkrankung nicht rasse- oder alterstypisch. Das bedeutet: Ein Darmverschluss kann leider jede Katze betreffen.

Besondere Vorsicht ist jedoch bei langhaarigen Katzen geboten: Wenn sie sich putzen und dabei Haare herunterschlucken, kann auch dieser Haarballen zu einem Darmverschluss führen (längere Haare = größerer Ballen).

drei schlafende katzen auf einem sessel
Ein Darmverschluss kann alle Katzen betreffen.

Eine Erkrankung, viele Ursachen

Die Ursachen für einen Darmverschluss bei Katzen können ganz unterschiedlich sein. Tierärzte unterscheiden hier zwischen dem mechanischen und dem paralytischen Darmverschluss (Ileus):

 

Mechanischer Ileus

Paralytischer Ileus

Auslöser

– oft: verschluckte Fremdkörper
(Fäden, Spielzeug, Federn, Knöpfe, Plastikstücke etc.) 

– Kotsteine

– Einengung der inneren Schicht der Darmwand (Darmlumen) z. B. durch einen Tumor

– Abklemmung des Darmlumens (z. B. durch eine Darmdrehung)

– Lähmung der Darmmuskulatur

– Lähmung z. B. durch eine OP oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse

– weitere mögliche Gründe für die Lähmung: Stoffwechselstörungen, Vergiftungen

Konsequenzen

– Die Hindernisse schränken das Darmlumen ein, der Darminhalt kommt nicht an ihnen vorbei

– Fremdkörper sind unverdaulich & können zu Verletzungen & Verstopfungen im Darmbereich führen

– Peristaltik (Muskeltätigkeit) des Darmes ist eingeschränkt oder funktioniert gar nicht mehr

Für das Verschlucken von Fremdkörpern sind natürlich besonders junge Katzen sehr anfällig. Denn diese sind hier wie Kinder: Alles wird angefasst, angeknabbert und auch gerne einmal heruntergeschluckt. Doch auch ein ausgewachsenes Tier kann die Neugier packen – und schon werden Gegenstände verschluckt, die eigentlich nicht in Magen und Darm gehören.

Übrigens: Der Darmverschluss beim Hund ist dem der Katze sehr ähnlich. In unserem gleichnamigen Artikel erfahren Sie mehr dazu.

Diese Symptome kann Ihre Katze zeigen

Einen Darmverschluss zweifelsfrei diagnostizieren kann nur ein Tierarzt. Einige Symptome, auf die Sie jedoch achten sollten, sind: 

  • Erbrechen (mehrfach, schwallartig, schnell): Die Nahrung kann nicht mehr in den Darm transportiert werden. Daher erbricht das Tier die aufgestaute Nahrung.
  • Kot: Ihre Katze versucht, Kot abzusetzen, bleibt aber erfolglos. In der Katzentoilette finden Sie tagelang keinen Kot.
  • Bauchschmerzen: Dadurch Berührungsempfindlichkeit & gekrümmte Haltung
  • Unwohlsein: Schlechter Allgemeinzustand, Apathie (Teilnahmslosigkeit), Verstecken
  • Bauch: aufgebläht, angespannt
  • Futterverweigerung
  • Darmgeräusche
  • ggf. vermehrtes Miauen

Unterschiede in den Symptomen gibt es aber auch: Ein vollständiger Darmverschluss führt schneller zu Symptomen als ein unvollständig verschlossener Darm. Und auch wenn der Grund für den Verschluss nicht in der Fremdkörperaufnahme liegt, treten Symptome langsamer auf, werden aber gleichzeitig laufend intensiver.

Immer gilt: Stellen Sie eines oder gleich mehrere dieser Symptome bei Ihrer Katze fest, sollten Sie schnell zum Tierarzt. Bei einem Darmverschluss handelt es sich um eine lebensgefährliche Erkrankung, daher gilt: lieber einmal zu oft als einmal zu wenig untersuchen lassen.

Die Tierärzte von TIERplus sind jederzeit für Sie und Ihre Samtpfote da. Wenn Sie einen Termin brauchen oder Fragen haben, kontaktieren Sie uns gerne. Wir sind an 6 Standorten in Österreich vertreten!

Verdacht auf Darmverschluss bei der Katze: So gehen Sie vor

Entsteht der Darmverschluss aufgrund eines verschluckten, fadenartigen Fremdkörpers, kann es vorkommen, dass ein Stück Faden aus Maul oder After heraushängt. Der erste Impuls ist hier oft zu versuchen, das Stück herauszuziehen und zu entfernen. Davon raten wir jedoch dringend ab! Denn durch ein Ziehen am Faden wickelt sich die Schnur um den Darm und zieht ihn zusammen, was die Lage verschlimmert.

Ein weiterer Fehler beim Darmverschluss ist, abzuwarten, ob die Symptome von alleine vergehen. Denn es handelt sich um eine lebensbedrohliche Lage, die unbedingt tierärztlich behandelt werden muss. 

Was Sie also stattdessen unbedingt tun sollten: Für die Behandlung und Therapie sofort zum Tierarzt gehen.

Diagnose beim Tierarzt

Die Diagnose läuft meistens in zwei Schritten ab:

Bei der Allgemeinuntersuchung werden Vitalparameter Ihres Tieres erhoben:

  • Herzfrequenz
  • Atemfrequenz
  • Körpertemperatur
  • etc.

Außerdem wird der Bauch abgetastet. Gleichzeitig wird das Allgemeinbefinden untersucht. Nebenher zu diesen Untersuchungen stellt Ihnen der Tierarzt Fragen zu den beobachteten Symptomen und der bisherigen Dauer.

Ist eine Operation notwendig, sind diese Werte ebenfalls wichtig. Daher werden sie gleich zu Beginn erhoben. Haben Ihre Katze oder Ihr Hund zu diesem Zeitpunkt bereits Kreislaufprobleme, werden vom Tierarzt unterschiedliche Maßnahmen getroffen, um diesen zu stabilisieren.

darmverschluss katze tierplus 3
Zu Beginn führt der Tierarzt eine Allgemeinuntersuchung durch.

Gibt es Hinweise auf einen Darmverschluss, folgen im zweiten Schritt ein Ultraschall oder ein Röntgen. So kann der Arzt oder die Ärztin begutachten, wie weit der Darmverschluss fortgeschritten ist (vollständig oder unvollständig) und was die Ursachen sind (z. B. Lokalisation eines Fremdkörpers oder Tumors).

Anhand der Ergebnisse wird die weitere Behandlung und Therapie geplant.

Therapie: So sieht die Behandlung aus

Die Behandlung des Darmverschlusses ist abhängig von den Ursachen:

 

Operation

Konservative Therapie

Ursache

– größere verschluckte Fremdkörper

– Tumore

– kleinere verschluckte Fremdkörper

– Lähmungen der Darmmuskulatur

Genaues Vorgehen

– verschluckter Fremdkörper: Darm wird geöffnet, Fremdkörper wird entfernt (Enterotomie)

– Tumor: ggf. wird ein Stück Darm entfernt, die Darmenden werden vernäht (Enterektomie)

– Schmerzmittel

– Mittel, die die Darmperistaltik anregen

– Kreislaufstabilisierende Infusionen

– Mittel gegen Erbrechen

– Flüssigkeitsinfusionen

– je nach Fremdkörper und Dauer seit dem Verschlucken: Mittel, um die Katze zum Erbrechen zu bringen

ein monitor bei einer katzen operation
Eine Operation ist nicht in allen Fällen zwingend notwendig.

Helfen Hausmittel beim Darmverschluss bei Katzen?

Nein, Hausmittel sind bei einem Darmverschluss bei Hund und Katze keine gute Idee! Bitte geben Sie Ihrem Tier keine Medikamente oder Hausmittel, ohne zuvor mit einem Tierarzt zu sprechen. Wird ein Darmverschluss nicht tierärztlich behandelt, wird es schnell lebensgefährlich. Bei Verdacht sollten Sie also immer schnell zum Tierarzt.

Prognose: Wird meine Katze wieder gesund?

Hier gilt: Eine frühzeitige Diagnose und Therapie erhöhen die Heilungschancen. Tumore und größere Fremdkörper müssen schnellstmöglich entfernt werden und auch wenn eine Vergiftung die Ursache ist, ist besonders schnelles Handeln für eine positive Prognose wichtig. 

Wurde ein Fremdkörper verschluckt, ist die Prognose gut – unabhängig davon, ob der Magen-Darm-Trakt geöffnet werden muss oder nicht. Muss er geöffnet werden und es liegen Gewebeschäden vor, ist die Prognose nicht mehr ganz so gut. 

Bei Tumoren ist die Prognose von der Art und der Lage des Tumors abhängig. Auch die Frage, ob er operativ entfernt werden kann und ob es sich um Krebs handelt und dieser bereits gestreut hat, wirkt sich auf die Prognose aus.

Weiterhin gilt: Abhängig von der Ursache des Darmverschlusses kann er weitere Folgen nach sich ziehen, die sich auf die Prognose auswirken:

  • Abdrücken wichtiger Gefäße 
  • Absterben von Gewebe
  • Entzündungen 

 

Ihr Tierarzt wird Ihnen immer eine individuelle Einschätzung geben und die Therapiemaßnahmen mit Ihnen besprechen. Der Arzt oder die Ärztin wird Ihnen auch Tipps geben, wie Sie Ihre Katze nach der Behandlung füttern sollen.

Ob Katze oder Hund: Die Tierärzte von TIERplus sind für Sie und Ihren Vierbeiner da. Von der vollständigen Untersuchung über die Diagnose bis zur Behandlung und darüber hinaus – wir stehen an Ihrer Seite.

Prophylaxe: Kann ich meine Katze vor einem Darmverschluss bewahren?

Ja und nein – auch hier ist die Ursache entscheidend. Tumoren oder Lähmungen der Muskulatur vorzubeugen, ist schwierig. Sie können jedoch die Gefahr reduzieren, dass Ihre Katze Gegenstände verschluckt:

  • Verschluckbare Gegenstände wegräumen: Lassen Sie Geschenkband, abgeschnittene Kleidungsfäden, Schnürsenkel, Wollfäden & Co. nicht herumliegen. Selbiges gilt für Nüsse, Verpackungen, Geschenkpapier, kleine Dekoartikel etc.
  • Beschäftigung: Beschäftigen Sie Ihre Katze ausreichend (z. B. mit Katzenspielzeug), damit sie sich weniger für herumliegende Gegenstände interessiert.
  • Spielzeug-Design: Achten Sie darauf, dass das Spielzeug Ihrer Katze keine Teile ausweist, die abgebissen und verschluckt werden können – z. B. Knöpfe, Bänder oder Ohren & Co.
  • Pflanzen: Vermeiden Sie Pflanzen im Haushalt, die für Katzen giftig sind (Achtung: Manche Pflanzen sind für den Menschen ungiftig, für Tiere jedoch giftig). 

Verstopfung und Darmverschluss – wie erkenne ich den Unterschied?

Eine Verstopfung äußert sich, wie auch der Darmverschluss, durch fehlendes/vermindertes Kotabsetzen. Die Unterschiede zu erkennen, kann sehr schwierig sein. Jedoch weist eine Verstopfung nicht die oben genannten Begleiterscheinungen auf.

Unterschiede bestehen auch in der Behandlung: Hunde und Katzen mit Darmverschluss müssen immer zum Tierarzt. Bei einer Verstopfung kann man es auch erst mit viel Trinken und ggf. einer Bauchmassage versuchen. Wichtig ist aber: Auch eine Verstopfung kann schlussendlich zu einem Darmverschluss führen. 

Auch die Ursache ist unterschiedlich: Eine Verstopfung kann durch ungeeignete Fütterung, Medikamente oder Unbehagen in Bezug auf die Katzentoilette entstehen. Ist sie zu klein bzw. eng oder steht an einem ungemütlichen Ort, kann die Katze das Kotabsetzen vermeiden und dadurch eine Verstopfung bekommen. Risikofaktoren für diese Erkrankung sind zu wenig Flüssigkeit, Bewegungsmangel und Übergewicht – während ein Darmverschluss alle Hunde und Katzen treffen kann.

Facebook
WhatsApp
Email

Sie haben noch Fragen?

Rufen Sie gerne in einem unserer Standorte an, oder vereinbaren Sie gleich einen Termin.